top of page

„Soll ich jetzt investieren? Oder platzt hier bald eine Börsenblase?“

  • Autorenbild: Harry Büsser
    Harry Büsser
  • 18. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Ende 2025 scheint sich alles nur noch um ein Thema zu drehen: künstliche Intelligenz. Die einen feiern sie als die grösste Erfindung seit dem Strom. Die anderen warnen, dass wir gerade die nächste grosse Börsenblase erleben. Kaum ein Gespräch in der Finanzwelt beginnt nicht mit Nvidia, endet nicht mit OpenAI – und irgendwo dazwischen taucht die Frage auf: „Soll ich jetzt investieren? Oder platzt hier bald eine Börsenblase?“

Für Anlegerinnen und Anleger ist diese Unsicherheit belastend. Man möchte ja nicht der oder die Letzte sein, die noch kauft, bevor alles zusammenbricht. Gleichzeitig will man auch nicht die Chancen verpassen, wenn KI wirklich das nächste grosse Ding wird.

Um zu verstehen, was hier passiert, lohnt ein Blick in die Vergangenheit – aber verständlich und ohne Fachjargon.

Was früher schon einmal passiert ist – und was wir daraus lernen können

Vor rund 25 Jahren, um das Jahr 2000 herum, gab es eine ähnliche Situation: Das Internet war neu, aufregend und versprach, die Welt zu verändern. Viele Unternehmen schossen aus dem Boden, die Aktienkurse stiegen rasant, und jeder wollte dabei sein.

Viele dieser Firmen hatten allerdings kaum Umsatz, keine Gewinne und manchmal nicht einmal ein richtiges Produkt. Als klar wurde, dass nicht alle Internet-Ideen funktionieren, fielen die Kurse stark. Das war das berühmte Platzen der „Dotcom-Blase“.

Aber – und das ist der entscheidende Punkt:Das Internet war trotzdem eine Revolution.Nur eben nicht für alle Firmen, die damals gehypt wurden.

Einige überlebten und wurden Weltkonzerne - darunter etwa Amazon, eBay und Cisco. Andere verschwanden einfach wieder – wer erinnert sich an die Schweizer New Economy Börsenstars Fantastic Corporation, Miracle oder Think Tools, die alle in Konkurs gingen?

Genau hier liegt der Vergleich zur heutigen KI-Welle:Der Trend kann echt sein – und trotzdem können einzelne Aktien überbewertet sein.

Warum die KI-Debatte so viele nervös macht

Aktuell wird extrem viel Geld investiert:

  • Tech-Konzerne geben hunderte Milliarden für Rechenzentren aus.

  • KI-Startups erzielen riesige Bewertungen, obwohl viele noch Verluste schreiben.

  • Trotzdem haben sich einige Aktienkurse vervielfacht – viel schneller, als ihre Gewinne wachsen.

Gleichzeitig sehen Fachleute Risiken:

  • enormer Energiebedarf

  • Abhängigkeit von wenigen Chip-Herstellern

  • hoher Kapitalbedarf für KI-Infrastruktur

  • unklare Geschäftsmodelle vieler junger Firmen

Kurz gesagt:Es gibt echte Chancen – und echte Übertreibungen.

Das macht es Anlegerinnen und Anlegern schwer. Einerseits will man dabei sein, andererseits nicht in eine Falle laufen.

Und genau deshalb ist Geduld wichtiger denn je

In solchen Phasen hilft ein Grundsatz, der an der Börse seit Jahrzehnten gilt:Je länger der Zeithorizont, desto geringer das Risiko.

Warum?

  1. Märkte übertreiben kurzfristig – aber langfristig zählt die Realität.

    Heute geht es rauf, morgen runter. Das ist normal. Erst über längere Zeiträume zeigt sich, welche Firmen echte Werte schaffen.

  2. Wer bei jeder Schwankung handelt, macht mehr Fehler.

    Die meisten Anleger verlieren nicht wegen des Marktes –

    sondern weil sie zu früh aussteigen oder zu spät einsteigen.

  3. Der wichtigste Renditefaktor ist der Zinseszinseffekt.

    Der wirkt nur, wenn man investiert bleibt.

    Wer ständig verkauft, zerstört ihn.

  4. Selbst wenn man mitten in einer „Blase“ kauft, kann man langfristig profitieren – wenn das Geschäftsmodell trägt. Beispiel Internet: Die Technologie war real, auch wenn viele Firmen es nicht waren.

Was heisst das konkret für Ihr Depot?

Geduld bedeutet nicht, tatenlos zuzusehen. Es bedeutet, kluge Entscheidungen zu treffen und dem eigenen Plan zu vertrauen.

1. Nicht jeder Trend ist ein Investment. Nur weil KI überall in den Schlagzeilen ist, muss nicht jede KI-Aktie ins Depot.

2. Es geht nicht darum, den perfekten Zeitpunkt zu treffen. Diesen finden selbst Profis selten – und Laien fast nie.

3. Breit streuen ist wichtiger als mutige Einzelwetten. Ein globaler Aktienfonds oder ETF reduziert das Risiko enorm.

4. Einbruch bedeutet nicht automatisch Gefahr. Ein Kursrückgang ist oft nur Lärm – kein Grund zur Panik.

5. Handeln Sie nur, wenn sich Ihre Lebenssituation oder Ihre Strategie ändert – nicht wegen einer Schlagzeile. Wenn Ihre Anlagehorizont nicht mehr 20 Jahre dauert, ist eine gewisse Reduktion beim Risiko (also beim Aktienanteil) nicht falsch. Gerade auch angesichts erster Anzeichen von Blasenbildung - wann diese Platzt weiss niemand.

Geduld schützt – und sie eröffnet Chancen

Vielleicht erleben wir gerade eine KI-Blase. Vielleicht eine technologische Revolution. Wahrscheinlich ein bisschen von beidem.

Doch für Ihre Geldanlage gibt es eine einfache Wahrheit:

Geduld sorgt dafür, dass Sie nicht Opfer kurzfristiger Emotionen werden – und stattdessen an langfristigen Entwicklungen teilhaben.

Ob und wie KI einschlägt entscheidet sich nicht in Wochen. Sondern in Jahren oder gar Jahrzehnten. Und Anlegerinnen und Anleger, die diese Geduld mitbringen, haben historisch fast immer besser abgeschnitten.

 
 
 
bottom of page