Das sind die fünf Warnzeichen für einen Börsencrash
- Harry Büsser
- 24. Jan.
- 4 Min. Lesezeit

Rekordkurse an den Börsen, technologische Euphorie rund um künstliche Intelligenz, fast täglich neue Schlagzeilen – und gleichzeitig ein mulmiges Gefühl im Bauch. Viele Anlegerinnen fragen sich derzeit: Geht das noch lange gut? Oder steuern wir auf den nächsten grossen Börsencrash zu?
Ein Blick in die Geschichte der Finanzmärkte hilft, diese Unsicherheit einzuordnen. Denn grosse Börsenkrisen entstehen selten plötzlich. Sie folgen oft ähnlichen Mustern, die sich über Jahre hinweg aufbauen – lange bevor die Kurse tatsächlich einbrechen.
Das ist keine Einladung zur Angst. Im Gegenteil: Wer diese Muster kennt, kann ruhiger bleiben und klüger handeln.
Warum Börsenkrisen fast nie aus dem Nichts kommen
Rückblickend wirken Krisen oft wie ein Schock. 2008 während der Finanzkrise. 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie. Viele erinnern sich genau an den Moment, als die Kurse plötzlich abstürzten.
Doch genauer betrachtet entstehen solche Einbrüche fast nie aus heiterem Himmel. Der Börsenkrach von 1929, das Platzen der Internetblase um das Jahr 2000 oder die Finanzkrise 2008 entwickelten sich über Jahre hinweg. Keine geheime Verschwörung, kein einzelner Schuldiger – sondern eine wiederkehrende Abfolge von Entwicklungen.
Wichtig ist: Das heisst nicht, dass sich der nächste Crash exakt vorhersagen lässt. Aber es heisst, dass sich gefährliche Konstellationen über lange Zeit aufbauen – lange bevor Panik ausbricht.
Warnzeichen 1: Zu viele Schulden
Fast jeder grosse Börsenboom beginnt mit Optimismus – und mit billigem Geld. Wenn Kredite leicht verfügbar sind, verschulden sich Privathaushalte, Unternehmen und Staaten stärker, um in Aktien, Immobilien oder andere Vermögenswerte zu investieren. Die Preise steigen, das Vermögen wächst scheinbar mühelos.
Historisch zeigt sich dieses Muster immer wieder:
In den 1920er-Jahren kauften viele Amerikaner Aktien fast vollständig auf Kredit.
Um die Jahrtausendwende finanzierten sich zahlreiche Internetfirmen mit Fremdkapital, obwohl sie kaum Umsätze erzielten.
Vor 2008 waren es hochriskante Hypotheken und extrem gehebelte, mit wenig Eigenkapital unterlegte Bankbilanzen.
Heute ist die weltweite Verschuldung so hoch wie nie zuvor. Laut dem Institute of International Finance lag sie im Herbst 2025 bei rund 346 Billionen Dollar – mehr als doppelt so viel wie die globale Wirtschaftsleistung eines Jahres. Schulden allein lösen keinen Crash aus. Aber sie machen das System empfindlich, sobald Zinsen steigen oder Vertrauen verloren geht.
Warnzeichen 2: Wenn wenige Unternehmen den Markt dominieren
Ein zweites klassisches Warnsignal ist eine starke Konzentration. Wenn ein grosser Teil der Börsenentwicklung von wenigen Unternehmen abhängt, genügt ein Problem bei einem dieser Schwergewichte, um den gesamten Markt zu belasten.
Auch das ist kein neues Phänomen:
In den 1920er-Jahren dominierten einzelne Industrie- und Versorgungsunternehmen.
Um 2000 trugen wenige Technologiekonzerne den gesamten Nasdaq.
Vor 2008 konzentrierten sich Risiken in grossen Banken und komplexen Finanzprodukten.
Heute entfällt ein erheblicher Teil der Börsenentwicklung auf wenige Technologiekonzerne wie Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Alphabet, Meta Platforms und Tesla. Zusammen machen sie rund ein Drittel des S&P-500-Index aus, der die grössten 500 börsenkotierten US-Firmen abbildet. Das funktioniert gut, solange alles läuft – macht den Markt aber anfälliger für Rückschläge.
Warnzeichen 3: Die Stillen werden vorsichtiger
Ein oft übersehenes Muster: In früheren Krisen begannen smarte, professionelle Investoren meist schrittweise, Risiken zu reduzieren – lange bevor die breite Öffentlichkeit nervös wurde. Das geschieht nicht abrupt, sondern leise: durch höhere Bargeldquoten, Absicherungen oder den Abbau besonders riskanter Positionen.
Nach aussen bleibt die Lage zunächst ruhig. Die Kurse halten sich, die Stimmung wirkt stabil. Erst später wird sichtbar, dass sich unter der Oberfläche etwas verändert hat.
Das ist kein Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Crash. Aber ein Hinweis darauf, dass erfahrene Marktteilnehmer Risiken sensibler wahrnehmen. Derzeit ist das noch nicht breit erkennbar. Allerdings haben einige Investmentgurus die Liquidität in ihren Portfolios erhöht. Darunter der renommierte Finanzprofessor Aswath Damodaran, der bisher nicht zu den ewigen Crash-Propheten gehörte.
Warnzeichen 4: Wenn Geld knapper wird
Finanzmärkte brauchen Liquidität – also ständig verfügbares Geld. Wird Geld teurer oder knapper, reagieren Märkte empfindlicher auf Störungen. Historisch verlief dieser Prozess oft schleichend: Notenbanken strafften die Geldpolitik, ohne dass sofort etwas Dramatisches passierte.
Auch heute liegt das Zinsniveau in vielen Regionen der Welt deutlich höher als noch vor wenigen Jahren. Die Phase extrem günstigen Geldes ist vorbei. Gleichzeitig bleibt die Verschuldung hoch. In solchen Konstellationen können selbst kleine Ereignisse grosse Wirkungen entfalten.
Warnzeichen 5: Der Auslöser ist selten die Ursache
Fast jede Krise wird letztlich durch ein konkretes Ereignis sichtbar: den Zusammenbruch eines Unternehmens, eine politische Entscheidung oder einen externen Schock. Doch dieser Auslöser ist selten die eigentliche Ursache. Er bringt lediglich ans Licht, was sich über Jahre aufgebaut hat.
Der Schaden entsteht nicht im Moment des Auslösers, sondern in der Zeit davor: durch zu hohe Schulden, starke Konzentration, knappe Liquidität und fehlende Vorbereitung.
Was heisst das für Sie als Anlegerin?
Diese Signale sind kein Grund zur Panik. Sie zeigen aber: Risiken entstehen langfristig – und sollten auch langfristig gemanagt werden.
Konkret heisst das:
breit diversifizieren, über Länder, Branchen und Anlageklassen hinweg
nicht alles auf wenige, besonders populäre Titel setzen
ausreichend Liquidität für unerwartete Situationen bereithalten
einen Anlageplan haben, der auch stärkere Kursschwankungen aushält (statistisch muss man selbst bei gut diversifizierten Aktienportfolios mit zwischenzeitlichen Verlusten von rund 40 Prozent rechnen)
Die grössten Verluste erleiden in Krisen selten jene, die wenig wissen. Es sind meist jene, die nicht vorbereitet sind.
Fazit
Börsenkrisen folgen keinem festen Drehbuch. Doch sie entstehen auffallend oft nach ähnlichen Mustern. Wer diese kennt, muss weder in Angst verfallen noch auf Crash-Prognosen hören.
Nicht die exakte Vorhersage schützt vor Verlusten – sondern eine nüchterne, disziplinierte Vorbereitung. Und die beginnt lange, bevor die Märkte ins Rutschen geraten.




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