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Krieg und Börse: Panik oder Kaufchance?

  • Autorenbild: Harry Büsser
    Harry Büsser
  • 9. März
  • 4 Min. Lesezeit

Die Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Finanzmärkte aufgeschreckt. Aktien schwanken, der Ölpreis zieht an, Gold ist gefragt. Viele Anlegerinnen und Anleger fragen sich: Ist das der Beginn einer grösseren Krise – oder gerade eine Gelegenheit zum Einstieg?

Geopolitische Konflikte verunsichern Anlegerinnen und Anleger. Wenn Unsicherheit steigt, sinkt die Risikobereitschaft. Kapital fliesst dann häufig in vermeintlich sichere Anlagen wie Gold oder den Schweizer Franken. Besonders empfindlich reagieren sogenannte zyklische Branchen – also Unternehmen, deren Geschäft stark vom weltweiten Wirtschaftswachstum abhängt. Dazu gehören etwa Industriekonzerne und Luxusgüterhersteller. Wenn Firmen Investitionen verschieben oder Konsumenten grössere Anschaffungen aufschieben, trifft das diese Branchen besonders schnell. Luxusprodukte gehören zudem nicht zu den notwendigen Ausgaben – in unsicheren Zeiten werden sie oft zuerst gestrichen.

Doch so dramatisch die Nachrichtenlage auch ist: Ein militärischer Konflikt ist an der Börse vielleicht ein Auslöser, aber kaum die eigentliche Ursache eines Crashs. Grosse Finanzkrisen entstehen in der Regel aus wirtschaftlichen Ungleichgewichten – etwa übermässiger Verschuldung, extrem hohen Bewertungen oder fragiler Liquidität. Ein Krieg kann solche Schwächen sichtbar machen, er schafft sie aber nicht.

„Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ – gilt das auch heute?

Die alte Börsenweisheit, die oft dem deutschen Bankier Carl Mayer von Rothschild (Jg. 1788) zugeschrieben wird, rät zum antizyklischen Handeln: In Zeiten von Krieg und Panik kaufen, wenn andere aus Angst verkaufen. Die Idee dahinter ist einfach: In Krisen werden oft auch gesunde Unternehmen abgestraft. Wer dann mit Geduld investiert, kann von der späteren Erholung profitieren.

Historisch betrachtet war das oft erfolgreich. Nach vielen geopolitischen Schocks normalisierten sich die Märkte schneller als erwartet – vorausgesetzt, der Konflikt weitete sich nicht massiv aus.

Aber Vorsicht: Antizyklisches Investieren verlangt Nervenstärke. Niemand weiss, ob die Kurse nach einem ersten Rückgang nochmals deutlich tiefer fallen. Wer zu früh oder zu forsch einsteigt, riskiert Verluste, bevor sich eine Erholung einstellt.

Gerade im aktuellen Umfeld spielt die Entwicklung am Energiemarkt eine zentrale Rolle. Je länger der Konflikt andauert, desto stärker werden Energiepreise nach oben tendieren. Steigende Ölpreise können die Inflation anheizen und Zinssenkungen verzögern. Das belastet die Börsen – besonders dann, wenn Bewertungen ohnehin ambitioniert sind.

Wer leidet – wer profitiert?

In geopolitischen Spannungsphasen geraten oft exportorientierte und konjunktursensitive Branchen unter Druck. Unternehmen aus der Luxusgüter- oder Konsumindustrie reagieren sensibel, weil sich Konsumenten in unsicheren Zeiten zurückhalten.

Andere Sektoren – etwa Energie oder Rüstung – können kurzfristig profitieren. Doch auf solche «Krisengewinner» zu setzen, ist meist spekulativ. Märkte preisen Erwartungen schnell ein, und politische Wendungen können die Lage ebenso rasch wieder verändern.

Für Privatanleger ist es deshalb sinnvoller, nicht einzelnen Schlagzeilen hinterherzulaufen, sondern auf solide Grundprinzipien zu setzen.

Was jetzt sinnvoll ist

Erstens: Diversifikation prüfen. Ein breit gestreutes Portfolio über verschiedene Regionen, Branchen und Anlageklassen hinweg reduziert das Risiko, von einzelnen Schocks stark getroffen zu werden.

Zweitens: Qualität bevorzugen. Unternehmen mit stabilen Cashflows, moderater Verschuldung und nachvollziehbaren Geschäftsmodellen sind in unsicheren Zeiten robuster als stark spekulative Titel.

Drittens: Schrittweise investieren. Wer antizyklisch handeln will, sollte nicht alles auf einmal einsetzen. Staffelkäufe helfen, das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts zu reduzieren.

Viertens: Emotionen kontrollieren. Krisen lösen starke Gefühle aus – Angst wie auch übertriebenen Optimismus. Anlageentscheide sollten jedoch auf einem klaren Plan beruhen, nicht auf der aktuellen Nachrichtenlage.

Die eigentliche Frage

Ein Krieg verändert die geopolitische Lage. Für die Finanzmärkte ist er vor allem ein Stresstest: Wie stabil sind Unternehmen? Wie robust ist das Finanzsystem?

Die alte Börsenweisheit vom «Donnern der Kanonen» enthält einen wahren Kern. In Phasen grosser Unsicherheit entstehen oft Chancen. Aber nur für Anlegerinnen und Anleger, die vorbereitet sind, ihr Risiko kennen und langfristig denken.

Nicht jede Krise ist eine Kaufgelegenheit. Und nicht jede Schlagzeile rechtfertigt einen Verkauf. Entscheidend ist, ob Ihr Portfolio so aufgestellt ist, dass Sie auch turbulente Phasen aushalten können – ohne in Panik zu geraten. Denn an der Börse entscheidet selten der erste Schock. Entscheidend ist, wer danach die Nerven behält.


So reagierten Börsen auf frühere Kriege

Kriege und geopolitische Krisen sorgen an den Finanzmärkten oft zunächst für starke Schwankungen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch ein wiederkehrendes Muster: Die Börsen reagieren kurzfristig nervös – langfristig bestimmen vor allem wirtschaftliche Faktoren die Entwicklung.

Zweiter Weltkrieg (1939)Nach dem deutschen Angriff auf Polen fielen viele europäische Börsen zunächst deutlich. In den USA reagierten die Märkte ebenfalls nervös: Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen, stiegen die Börsenkurse sogar mal kurzfristig. Es gab eine «War Rally", in der Investoren auf Profite durch Rüstung und Materiallieferungen spekulierten - trotz allgemeiner Nervosität. Der Tiefpunkt der US-Börsen kam 1942 (bei maximaler Achsenmacht-Ausdehnung), danach begann eine langfristige Erholung und der Dow stieg bis 1945 insgesamt um rund 50 Prozent.

Golfkrieg (1990/91)Der Einmarsch des Irak in Kuwait führte zunächst zu Kursverlusten und stark steigenden Ölpreisen. Nachdem klar wurde, dass der Krieg militärisch begrenzt bleiben würde, erholten sich die Aktienmärkte rasch. In den Monaten nach Beginn der Offensive legten viele Börsen sogar deutlich zu.

Irakkrieg (2003)Vor dem militärischen Eingreifen der USA herrschte grosse Unsicherheit an den Märkten. Nachdem der Krieg begonnen hatte und ein schneller militärischer Verlauf absehbar wurde, setzte an vielen Börsen eine Erholungsphase ein.

Ukrainekrieg (2022)Der russische Angriff führte zunächst zu starken Kursschwankungen, insbesondere in Europa. Gleichzeitig stiegen Energiepreise stark an. Die globalen Aktienmärkte stabilisierten sich jedoch im Verlauf des Jahres wieder, obwohl der Konflikt weiter andauerte.

Die wichtigste Lehre:Geopolitische Krisen können kurzfristig starke Marktreaktionen auslösen. Für die langfristige Entwicklung der Börsen sind jedoch meist andere Faktoren entscheidend – etwa Wirtschaftswachstum, Zinsen und Unternehmensgewinne.

 

 
 
 

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