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KI bedroht klassische Softwarefirmen – oder doch nicht? Was das für Ihr Depot bedeuten kann

  • Autorenbild: Harry Büsser
    Harry Büsser
  • 26. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Seit Monaten sorgen sich viele Anlegerinnen: Wird Künstliche Intelligenz (KI) bald die grossen Softwarehäuser überflüssig machen? Manche Aktien sind stark gefallen. Aber wer genauer hinschaut, sieht: KI zerstört die Branche nicht – sie sortiert sie bloss neu. Genau darin könnten für geduldige Anlegerinnen echte Chancen liegen.


Der Markt übertreibt

Ende Februar 2026 ist die Stimmung an der Börse gespalten. Auf der einen Seite die teuren KI-Stars mit hohen Bewertungen. Auf der anderen Seite die etablierten Softwarefirmen, die unter Druck geraten sind. Dies, weil viele von folgender Furcht geplagt sind: „Wenn KI selbst Programme schreiben kann, braucht es keine Softwarefirmen mehr.“

Das kann zuerst mal einleuchtend klingen – dürfte aber zu einfach gedacht sein.


Warum SAP und Salesforce (vorerst) nicht einfach verschwinden

Grosse Unternehmen, die Kunden von SAP und Salesforce sind, wechseln ihre wichtigsten Softwaresysteme nicht von heute auf morgen. Besonders im Geschäftskunden-Bereich (B2B) gelten andere Regeln als bei privaten Apps. Drei Gründe sprechen dafür, dass bewährte Anbieter wie SAP oder Salesforce nicht so schnell verdrängt werden:

  1. Sehr hohe Wechselkosten: Die Software ist tief in die Prozesse der Kunden eingebaut. Sie regeln Buchhaltung, Lager, Löhne, Verkauf. Ein Wechsel dauert oft 1–3 Jahre, kostet Millionen und birgt Risiken. Kein Finanzchef riskiert das nur, weil ein KI-Start-up etwas Neues verspricht.

  2. Vertrauen & strenge Regeln (besonders in der Schweiz und Europa): Datenschutz, Datensicherheit und gesetzliche Vorgaben sind extrem wichtig. SAP und Salesforce haben über Jahrzehnte bewiesen, dass sie zuverlässig und sicher sind. Neue KI-Tools müssen dieses Vertrauen erst mühsam aufbauen.

  3. KI braucht ein stabiles Zuhause KI kann tolle Ergebnisse liefern – aber sie braucht ein starkes System drumherum, das die Resultate speichert, prüft, schützt und mit anderen Programmen verbindet. Genau dafür sind die grossen Plattformen, von Anbietern wie SAP und Salesforce da.

Deshalb wirken SAP und Salesforce nach den jüngsten Kursrückgängen eher überverkauft als wirklich bedroht. Beide bauen KI gezielt in ihre bestehenden Systeme ein – und machen sie dadurch für Kunden noch wertvoller.

Für langfristig denkende Anlegerinnen mit gesundem Risikobewusstsein sehen diese Kurse heute eher wie Kaufgelegenheiten aus als wie Warnsignale.


Amazon – der unterschätzte KI-Gewinner

Viele schauen nur auf die reinen KI-Chip-Hersteller (wie Nvidia). Dabei ist Amazon einer der grössten Profiteure – und wird oft unterschätzt.

Zwei starke Hebel sprechen dafür:

  1. AWS – das Rückgrat der KI Amazon Web Services ist weltweit einer der grössten Cloud-Anbieter. Fast alle grossen KI-Anwendungen laufen auf AWS-Servern. Je mehr KI genutzt wird, desto mehr Cloud-Kapazität brauchen die Firmen → umso besser für AWS und Amazon.

  2. KI-Roboter in den Lagern Amazon setzt immer mehr intelligente Roboter und Automatisierung ein. Das spart Kosten und macht das Geschäft profitabler – gerade in einem Bereich mit dünnen Margen.


Amazon verbindet also KI-Infrastruktur, eigene KI-Nutzung und bessere Abläufe im Kerngeschäft. Das macht die Aktie weniger spekulativ als viele reine KI-Wetten.

Langfristig bleibt Amazon für mich ein klarer Gewinner der KI- und Automatisierungs-Welle.


Was Sie eher verkaufen oder reduzieren sollten

Nicht jede KI-Geschichte ist glaubwürdig. Vorsicht ist geboten bei:

  • Sehr teuren KI-Start-ups ohne echten Gewinn und stabilen Cashflow

  • Softwarefirmen mit altem Lizenzmodell, die wenig Neues entwickeln

  • Firmen, die KI nur als Marketing-Slogan nutzen, aber im Produkt kaum etwas ändern

Solche Titel leben oft nur von Zukunftshoffnungen. Bei höheren Zinsen werden solche hohen Bewertungen schnell bestraft. Hier kann es klug sein, Gewinne mitzunehmen oder Positionen zu verkleinern.


Wie Anlegerinnen jetzt vorgehen können

1. Qualität vor Fantasie Bevorzugen Sie Unternehmen mit solidem Cashflow, Marktstellung und klarer KI-Strategie.

2. Plattformen statt Nischenwetten Cloud-Anbieter, etablierte Softwareplattformen und integrierte Ökosysteme dürften strukturelle Vorteile haben.

3. Diversifikation nicht vergessen Technologie sollte Teil des Depots sein – aber nicht das ganze Depot dominieren.

4. Bewertung prüfen Auch gute Unternehmen sind keine guten Investments zu jedem Preis.


Die wichtigste Erkenntnis

Technologische Umbrüche laufen selten geradeaus. Der Markt schwankt zwischen totaler Euphorie und Weltuntergang. Die Wahrheit liegt meist dazwischen.

KI wird klassische Software nicht abschaffen – sie wird neue Gewinner und Verlierer schaffen.

Für Sie als Anlegerin heisst das: Nicht jeder Kursrückgang ist ein Drama. Oft ist er eine Chance. Wer heute nüchtern hinschaut, sieht: Amazon dürfte strukturell massiv von KI profitieren. SAP und Salesforce werden wahrscheinlich nicht so schnell verdrängt – sie entwickeln sich weiter und könnten sogar stärker werden.

Spekulative Einzelaktien ohne solides Fundament bleiben riskant. Langfristiger Erfolg entsteht nicht durch Schlagzeilen – sondern durch kühlen Kopf und geduldige Analyse. Für die allermeisten Anlegerinnen und Anleger ist eine breite, kostengünstige Diversifikation die langfristig beste Strategie.


 
 
 

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